Back in the days – Von einem, der in die Sommerferien zog, um daraus nichts zu lernen
Auf dem Weg zur Arbeit schnitt mich heute morgen ein leerer Schulbus.
Ich dachte daran, dass ja bald Schulferien waren und damit dachte ich auch unweigerlich an meine eigenen Schulferien “damals” als Teenager und was sich seit den wilden 90ern so verändert hatte…
Der letzte Schultag!
Und nach der dritten Stunde, die sowieso nur noch “Kuchen essen” und “Wann sind endlich Ferien?” war, drängelte sich alles Richtung City.
Dort traf man sich mit den Kollegen verfeindeter Schulen auf das kühle Cola-Bierchen, das die Ferien endgültig einleiten sollte.
Mit den Bussen kurz vorm Mittagessen ging es dann Richtung nach hause.
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Mit “City” ist Neunkirchen Saar gemeint, und “zu hause” war ein ländliches Kaff, ein paar Kilometer ausserhalb der Stadt, damals noch mit einer Busanbindung von “Wenn Du bist 15 Uhr noch nicht im Bus sitzt, wird das heut auch nix mehr!”.
In den Jahren davor bestanden meine Ferien zu großen Teilen aus Wald. Denn den hatten wir glücklicherweise direkt hinterm Haus.
2-3 mal nutzten wir auch das Schüler-Ferien Ticket und schauten uns die großen, fernen Städte an. Damit sind Homburg und Saarbrücken gemeint.
Die Strecken, die wir nicht mit dem Zug zurücklegten, nahmen wir uns mit dem Fahrrad vor.
In den nächsten Ort zum Beispiel, weils da einen Baumarkt gab. Und das Taschengeld investierten wir für ein Päckchen Schrauben, denn unser Baumhaus gab an manchen Stellen ein wenig nach und musste repariert werden.
Photo credit: diana_s from morguefile.com
Aber mit siebzehn ist man für die Baumhausgeschichte irgendwann zu alt.
Zu Beginn diesen einen Sommers war klar, dass man die öffentlichen Verkehrsmittel diesmal bis zur Neige ausschöpfen würde.
Im nächsten Ort – im eigenen Kaff gab es ja nix – wirklich gar nix! – gab es einen Lebensmittelhändler mit recht ordentlichem Zeitschriftenangebot und am liebsten waren mir die PC-Zeitschriften mit den Sharewaresammlungen. Zu Beginn des Sommers deckte ich mich damit ein. Merkwürdig. Ich bin wohl doch so ne Art Nerd.
Und ich fand jede Menge Perlen in diesen Sharewaresammlungen. Kennt von Euch noch wer das Spiel “Crime Fighter”? Das habe ich geliebt!
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Meine Eltern fuhren irgendwann zu Beginn der Ferien in Urlaub und mein Freundeskreis bekam das natürlich mit.
Von da an war nix mehr mit “In Ruhe Sharewaresammlungen testen”.
Vor den ewigen Home Invasions meiner Freunde konnte ich mich nur dadurch retten, dass ich kurzerhand mit ihnen in die ferne Großstadt – ich rede hier von Saarbrücken! – fuhr.
Dort machten wir die gängigen Platten- und CD-Läden unsicher und ich glaube in diesem Sommer hatte ich mein komplettes übriggebliebenes Konfirmationserspartes gerecht zwischen CD-Grünewald und Rex Rotari aufgeteilt. Okay, ne Menge ging auch noch für Tiefkühlpizza drauf.
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Wenn ich zuhause war, klingelte es zu allen Tages- und Nachtzeiten an der Tür. Ja wirklich. Einmal sogar nachts um vier.
Ein aufgebrachter Mob hungriger Freunde klingelte Sturm. Schlafen konnte man bei dem Lärm eh nicht mehr, also konnte ich ihnen auch aufmachen…
Die Wohnung wurde verwüstet und von den gleichen Leuten wieder aufgeräumt. Mit aufräumen erwies man sich gegenseitig Respekt, ohne seine Rowdie-Attitüden gänzlich unterdrücken zu müssen. Wir hatten den Dreh raus!
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Der heimische Esszimmertisch musste dem DJ Pult und zwei 1210ern Platz bereiten, der Wohnzimmertisch zwei 4/86er Desktop PCs, auf dem ein freundeskreisweites Dungeon Keeper Netzwerkturnier ausgetragen wurde.
Die, die grade nicht spielten, verwüsteten die Nachbarsgärten oder hingen vorm TV ab und ich erinnere mich noch an den ersten TV-Auftritt von Falk/Doppelkopf in der Viva Sendung Freestyle, wo er den Song “Raps Vom Mond” performte.
Wir hatten damals alle gut gelacht, das war ja total verrückt, was Falk da ablieferte.
Heute wissen wir, dass er seiner Zeit voraus war, aber damals waren wir in vielen Dingen unwissend.
In diesem einen Sommer waren die Nächte irgendwie länger als die Tage. Vielleicht sind wir deshalb auch heute alle noch so bleich…












